Geist des Lebens

Glaubenssache

Superintendentin Sabine Preuschoff. Foto: Dethard Hilbig
Superintendentin Sabine Preuschoff. Foto: D. Hilbig

Die Gewalt eskaliert im Heiligen Land. Nach drohenden Zwangsräumungen der Wohnungen von Palästinensern in Ostjerusalem war es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen protestierenden Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Die militärische Auseinandersetzung spitzt sich zu. Aus dem Gazastreifen werden Raketen auf Israel abgefeuert. Im Gegenzug fliegt die israelische Luftwaffe Angriffe. – Davon berichten die Nachrichten.

Ungezählte Menschen waren in Jerusalem zusammengekommen. Römer, Juden, Ägypter, Perser, Araber. Und viele andere. Und plötzlich geschah ein Brausen vom Himmel wie von einem starken Wind. Und als die Menschen erzählten von den großen Taten Gottes, der das Leben will, hörten alle sie in ihrer eigenen Muttersprache reden. Das Pfingstwunder – davon berichtet die Bibel.

Was wäre, wenn …? Wenn die Menschen nicht mehr dem Geist der Gewalt folgten, sondern dem Geist des Lebens?

Am 15. Mai las ich den Tweet: Mehr als hundert Menschen, Juden und Araber, haben sich in der Negev-Wüste versammelt mit der Botschaft: „Wir weigern uns, Feinde zu sein.“

Und im schon 1999 gegründeten West-Eastern Divan Orchestra wird stetig musikalische Friedensarbeit geleistet mit der Vision von einem friedlichen Zusammenleben der Völker. Eines der Hauptziele des Dirigenten Daniel Barenboim: das Orchester soll in sämtlichen Herkunftsländern der Musiker spielen. Denn Musik ist die Sprache, die eint, weil sie jeder versteht – gleich welche Muttersprache er spricht.

Und ein pfingstlicher Geist wehte bei uns, wenn wir dem Leben und der Verständigung Raum gäben.

Hier bei uns würden Gotteshäuser nicht bedroht, Flaggen nicht verbrannt, Menschen nicht angegriffen werden um ihres Glaubens willen. Sondern man würde sich als Geschwister der einen Menschheitsfamilie erkennen. Weil wir alle Kinder des einen Leben schaffenden Gottes sind, der sich uns in unterschiedlichen Sprachen und Formen offenbart hat.

Mit den Worten aus einem Pfingstlied: „Pfingsten – erlöst und befreit, der Himmel wird weit – und so weht der Geist, heilig und anders, Gottes Zukunft für alle.“

Sabine Preuschoff
Superintendentin des Ev.-luth. Kirchenkreises Burgdorf

„Glaubenssache - Beiträge und Texte aus Kirche und Religion“ erscheint als Kolumne jeweils sonnabends im Marktspiegel für Burgdorf und Uetze, sowie im Marktspiegel für Lehrte und Sehnde. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Kirchen schreiben Beiträge aus ihren Kirchengemeinden, Einrichtungen und Arbeitsfeldern, von ihren Erfahrungen und zu dem, was sie gerade beschäftigt.

Zurück