Hoffnungslieder

Weihnachtsbrief von Landesbischof Ralf Meister

Photo_by_Maria_Lara_on_Unsplash
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Ist Ihnen in der Heiligen Nacht auch schon der schöne Holger begegnet? Welcher Holger, fragen Sie? Na, der „Holger, Knabe im lockigen Haar“. Und wie großartig, dass der berühmte Komponist Beethoven damals seinen Stall für das Jesuskind geöffnet hat: „Ihr Kinderlein kommet, oh kommet doch all. Zur Krippe her kommet, in Beethovens Stall.“ Und wie könnte Doktor Zion noch traurig sein, denn man sang ihm ja zu „Doktor Zion, freue dich!“ Der Autor Axel Hacke hat diese wunderbaren Geschichten gesammelt, in denen seine Leserinnen und Leser erzählen, was ihnen als Kind beim Liedersingen oft rätselhaft vorkam.

Kinder ersetzen, was sie hören und nicht verstehen durch das, was sie kennen. Als Kind haben die meisten von uns vermutlich beim Singen von Weihnachts- und Adventsliedern vieles nicht verstanden. Dennoch haben wir mit einem Ernst gesungen, als hätte das alles seine Richtigkeit. Manchmal entsteht eine Wahrheit schon in der Atmosphäre und der Fröhlichkeit im Gesang, Worte sind dann zweitrangig. Und so glaubten wir das Geheimnis, ohne es aufklären zu wollen. Inzwischen haben wir uns eingefunden in die Sprache der Advents- und Weihnachtslieder. Alle Jahre wieder singen wir die altbekannten Lieder, während sich von Jahr zu Jahr unser Leben ändert.  

Wie sehr werden wir vermissen, in diesem Jahr im Weihnachtsgottesdienst in der Kirche nicht gemeinsam und aus vollem Herzen „O du fröhliche“ singen zu dürfen. Es birgt zu viele Risiken. Vieles hat in diesem Jahr gefehlt. Die Liste ist lang. Aber war es nur ein Jahr des Verlustes? War es nicht auch ein Jahr voller Nächstenliebe, Nachbarschaftshilfe und Rücksichtnahme?

Die Lieder bleiben. Wir hören sie im Radio, auf CD oder online. Von „Last Christmas“ bis „Jauchzet, frohlocket“ aus Bachs Weihnachtsoratorium – sie alle tragen unsere Erinnerungen und unsere Sehnsucht durch die Adventszeit bis zur Heiligen Nacht, in diesem Jahr ganz besonders. Sie erzählen von einer Welt der Hoffnung, in der große Sehnsüchte gestillt werden. Wir hoffen mit ihnen Jahr um Jahr, dass eine Zeit kommt, in der nichts mehr gleichgültig sein wird.

Ich träume davon, dass auf den Straßen viele Menschen (natürlich mit dem gebührenden Abstand) ihr liebstes Weihnachtslied laut und fröhlich singen. Auf allen Straßen erklingt es, vom brummelnden Bass bis zu den glockenhellen Stimmen der Kinder. Dieses Land singt von der Hoffnung, dass ER kommt. Was für ein schönes Konzert!

Ihr

Ralf Meister
Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers

Lesen Sie den Weihnachtsbrief im Download (siehe unten).

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