Deutschkurse für Geflüchtete

Deutschkurse für Geflüchtete

Manchmal gibt es im Leben Momente, in denen man Entscheidungen trifft, ohne lange darüber nachzudenken. Geflüchteten Deutschunterricht zu erteilen, war eine dieser Entscheidungen. Seit dem Spätsommer 2015 arbeiten wir als Ehrenamtliche an der Gestaltung und Durchführung von Deutschkursen für Geflüchtete mit.  Eingebettet ist dieses Projekt in die diakonische Flüchtlings- und Migrationsarbeit der Region 2 des Kirchenkreises Burgdorf.

Wir starteten mit zehn Ehrenamtlichen aus Uetze, Dollbergen und Schwüblingsen mit den Deutschkursen. Während des Unterrichts wurden wir von u. a. drei Schülerinnen unterstützt, die sich um die parallel organisierte Kinderbetreuung kümmerten. Anfangs fand der Unterricht im Küsterhaus in Uetze statt, seit August 2018 im ehemaligen Spritzenhaus in der Nordmannstraße. Als Ansprechpartnerin für spezielle rechtliche und individuelle Fragestellungen stand Sandra Körtke (Koordinatorin der Ehrenamtlichen und Migrationsberaterin) zur Verfügung.

Die Teilnahme an den offiziellen Deutsch- bzw. Integrationskursen war für viele Geflüchtete gerade in der Anfangszeit mit langen Wartezeiten verbunden. Somit waren die ehrenamtlichen Sprachkurse oft die einzige Möglichkeit, Deutsch zu lernen. Später wurde unser Angebot auch zur Festigung der in den offiziellen Kursen erworbenen Kenntnisse genutzt.
Die Frage, wie man Menschen, mit denen man sich wohlmöglich nicht einmal verständigen kann, seine Sprache beibringen kann, bewegte uns alle. Eine gewisse Nervosität und Anspannung war anfangs vorhanden, da wir nicht wussten, wem wir gegenüberstehen würden.

Wir stellten schnell fest, dass die Teilnehmer/innen bezogen auf die Herkunftsländer, Muttersprachen, und Bildungsgrade (vom Analphabeten bis zum Akademiker) sehr unterschiedlich waren. Um die Qualität des Unterrichts möglichst an die individuellen Vorkenntnisse und Fähigkeiten anzupassen, boten wir jeweils einen Kurs für Anfänger und Fortgeschrittene an. Mittlerweile wurden Schülerinnen und Schüler aus u.a. folgenden Ländern unterrichtet: Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Albanien, Kosovo und Bulgarien. Aufgrund der Kinderbetreuung kamen neben alleinstehenden jungen Männern auch Ehepaare und alleinstehende Frauen mit Kindern.

Der Unterricht orientiert sich in erster Linie an den Erfordernissen des Alltags. Vermittelt wird vorrangig, welche Wörter und Satzbausteine z.B. beim Einkaufen, Arztbesuch oder bei Behördengängen gebraucht werden. Unser Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler in die Lage zu versetzen, einfache Alltagssituationen sprachlich meistern zu können. Genau wie die Schülerinnen und Schüler beim Spracherwerb machten auch wir Ehrenamtliche Fortschritte bei der Konzeption und Durchführung unserer Kurse.

Wir bieten jedoch nicht nur ehrenamtlichen Sprachunterricht, vor allem ist uns auch die menschliche Begegnung sehr wichtig.
Als Ehrenamtliche profitieren wir im Positiven von dem Projekt. Wir haben Menschen verschiedener Kulturen und Religionen kennengelernt. Uns wurde bewusst, was die Menschen veranlasste, ihre Heimat und teilweise ihre Familien zu verlassen bzw. von den Familien getrennt zu werden. Gerade die Zusammenkünfte bei Sommerfesten oder Weihnachtsfeiern bot die Plattform für intensivere Gespräche. Die Konfrontation mit den Lebensgeschichten der Geflüchteten, mit den alltäglichen Problemen, aber auch mit freudigen Ereignissen wie der Geburt eines Kindes erlebten und erleben wir als großen Zugewinn.

Der Erwerb der deutschen Sprache wird ein wichtiger Ausgangspunkt für die weitere Integration bleiben. Nach nunmehr vier Jahren können wir sagen, dass unsere Anstrengungen und Bemühungen nicht umsonst waren.


Christiane Schnäpel, Anna Stäcker und Birgit Fricke

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